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Meine letzte Reise nach Maputo – Mosambik 2019, oder manchmal kommt es anders als man denkt…
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28.11.19 13:35
Franke 

Administrator

28.11.19 13:35
Franke 

Administrator

Meine letzte Reise nach Maputo – Mosambik 2019, oder manchmal kommt es anders als man denkt…

es waren die beiden letzten Jahre vor dem Mauerfall. Ich habe in Luanda meinen Koffer gepackt und meine neue Aufgabe war dann, als Einzelkämpfer in Mosambik für unseren Kundendienst zu arbeiten. Ich ahnte noch nicht, welche Freiheiten mich als „Einzelkämpfer“ plötzlich erwarten.

Eigenes Auto, eigene Wohnung, Werkstattleiter und verantwortlich für ein ganzes Land, einbegriffen aller Fahrzeuglieferungen. Ich hatte nie das Gefühl überwacht zu werden, und keiner hat meine Arbeit einschätzen können, und deshalb habe ich nie Anweisungen in irgend einer Art bekommen. Ich war mein eigener Chef.
Einzelkämpfer eben…
Manauto 5 war dagegen wie ein Jugendarrest. Tor mit Wachposten, organisierter Gruppenausgang...den Rest kennt ihr ja selbst.
Natürlich hat sich diese plötzliche grenzenlose Freiheit in Mosambik bei mir eingebrannt.

2017 habe ich dann für 3 Wochen einen Familienurlaub in Maputo gemacht. Die Einreisebindungen waren leichter als in Angola und endlich wieder mein Afrika. Ich kenne dort alle Straßen, und alle Schlaglöcher von damals kannten mich noch.
Ein Besuch bei Freunden in Hulene, ein einfacher Vorort von Maputo, hat alte Erinnerungen aus meiner Lehmhüttenzeit in Oncocua - Angola erweckt.

Also war die nächste Reise als Einzelkämpfer für 2018 schon vorprogrammiert. Ab nach Hulene für mindestens 3 Monate.
Aber die sehr einfachen Bedingungen im Vorort Hulene waren für mich doch schwieriger als erwartet.
Als kampferprobter Afrikaner mit Lehmhüttenerfahrung habe ich nach drei Monaten die Reißleine gezogen.
Das war dann auch für mich etwas zu viel.

2019 sollte alles anders werden. Aufgeben wollte ich meinen kleinen Traum nicht. Ich habe es nie geschafft, Weihnachten unter einer Palme in Afrika zu sein, und das sollte wohl auch nicht sein.

Ich hatte alles gut geplant. Eine Einladung für 6 Monate, die ich verlängern kann, vom Notar bestätigt, ein eigenes Haus zur Miete in einer etwas besseren Wohngegend...raus aus Hulene, aber….
Es sollte alles anders kommen als geplant.
Das Gesetz wurde über Nacht für Ausländer geändert.
Visabeschränkungen nur noch für zwei Monate maximal, die Gebühr wurde verzehnfacht ,und nach Ablauf des Visums sollte man das Land für eine Zeit verlassen.
Die Regierung in Mosambik wollte damit aber vor allem die Naturkatastrophe in Baira ausgleichen, und die Ausländer sollen bezahlen.
Gleichzeitig wurden einige unliebsame Visa für Ausländer gestrichen. Man möchte ja unter sich bleiben.
Angola und Mosambik sind da wie eineiige Zwillinge.
Ich empfinde es als sehr gut, sich nicht dem Westen zu unterwerfen, aber man sollte doch etwas weltoffener sein.
Die DDR hat diesen Zug leider verpasst…

Durch gute Beziehungen wurde mir natürlich offeriert, dass ich ein Visum für 12 Monate bekomme. Dafür habe ich erst einmal gut 80 Euro für die Übersetzung meiner Unterlagen bezahlt.
Natürlich habe ich dieses Visum nie bekommen.
Natürlich habe ich auch mein Geld und die nie übersetzten Unterlagen vom „Rechtsanwalt“ zurückbekommen.

Der Traum vom eigenen Haus unter Palmen, das Weihnachtsfest mit meiner mich dann besuchenden Familie ist wie eine Seifenblase zerplatzt.

OK...2:0 für Mosambik. Also den Traum zu Grabe tragen, Koffer packen und zurück nach Hause.
Aber…

Man könnte aber ja den Rückflug noch sinnvoll gestalten.
Luanda ist ja meine andere Heimat.
Ich habe sofort ein kleines Haus auf der Ilha in Luanda für 3 Wochen gebucht.
Dann habe ich die Deutsche Botschaft in Luanda kontaktiert, die Angolanische in Berlin…
denn ich komme ja dann mit der Einreise als Deutscher aus Mosambik.
(soll wohl gehen, dass man in Luanda auch ein Visa direkt am Flugplatz bekommt)
Die Deutsche Botschaft hat sofort reagiert und teilte mir mit das sie dafür nicht zuständig ist und ich mich an die angolanische Botschaft wenden soll, und die Angolanische Botschaft hat sich bis heute nicht gemeldet.
Damit war auch hier der Zug abgefahren.
Nix Angola und Luanda am Strand der Ilha.

Aber das sollte noch nicht alles sein...den krönenden Abschluss hatte ich dann bei meiner Ausreise aus Mosambik.
Mein Fahrer hatte einen Motorschaden und dadurch hatte sich alles um eine Stunde verspätet. Letzte Lösung: mit Koffer bis Hauptstraße rennen und in einen völlig überfüllten Kleinbus mit riesigem Koffer steigen. OK...das ist auch Afrika.
Mein Visum war bis zum Tag meiner Ausreise gültig, aber der Stempel war nicht richtig! Ich hätte den nach dreißig Tagen erneuern lassen sollen.
Eine halbe Stunde habe ich am Schalter der Migration wie ein dummer Schuljunge warten müssen, und dann endlich ist die nette Frau mit mir in den Sicherheitsbereich gegangen.
Dort ging es in den Fahrstuhl, und die nette Frau hatte mir im Fahrstuhl meine letzte Landeswährung ca. 50 Euro abgeknöpft, und zurück zum Schalter habe ich endlich meinen Ausreisestempel bekommen (im Fahrstuhl hängen wahrscheinlich keine Überwachungskameras und weniger Zeugen).
...

Zuletzt bearbeitet am 28.11.19 13:40

28.11.19 13:37
Franke 

Administrator

28.11.19 13:37
Franke 

Administrator

Re: Meine letzte Reise nach Maputo – Mosambik 2019, oder manchmal kommt es anders als man denkt…

Zum Glück hatte ich noch ein paar Metical in meiner Jeanshose und konnte mir nach dieser unendlichen Strapaze noch ein Bier am Stand leisten. Ich bin dann zum Schalter gegangen, denn der Check in war schon voll im Gange…
Zwei Polizisten in Uniform hielten mich davor an und verlangten meinen Pass. Bevor dieser geöffnet wurde, fragten sie gleich, woher ich den Ausreisestempel habe und wer den gestempelt hat und dass das ein Verbrechen sei und ich nicht den Flug nehmen könnte bis alles geklärt ist.
Ich müsste dafür zahlen und wurde gefragt, wie viel ausländische Währung ich dabei habe.
Ich sagte, ein paar Euro für die Bahnfahrt in Deutschland.
Daraufhin wurde ich nett gebeten, einem uniformierten Polizisten auf die Herrentoilette zu folgen.
Auf dem Männerklo musste ich meine Brieftasche öffnen, und meine letzten 100 Euro wurden mir abgeknöpft.
Ich war der glücklichste Mensch, als die Maschine dann endlich abgehoben ist.

Dies ist keine Geschichte, sondern eine wahre Begebenheit.

In ein paar Tagen werde ich 64 Jahre alt und versuche etwas ruhiger zu werden...ich beschränke mich dann doch mehr auf Urlaub.
Ich habe ja schon in Lissabon gearbeitet, und dort zieht es mich wieder hin.
Oder doch nach meiner Fernliebe Manaus in Brasilien?
Vielen dank
Euer Frank

Zuletzt bearbeitet am 28.11.19 13:38

06.01.20 10:36
Quibala 
06.01.20 10:36
Quibala 
Re: Meine letzte Reise nach Maputo – Mosambik 2019, oder manchmal kommt es anders als man denkt…

Lieber Frank,
schon sehr spannend, aber das ist Afrika, kann dir aber auch wo anders passieren.
Deutschland gibt dir die evtl. Sicherheit und Abenteuer gibt es dann im Urlaub.

Liebe Grüße Conny

06.01.20 15:10
Franke 

Administrator

06.01.20 15:10
Franke 

Administrator

Re: Meine letzte Reise nach Maputo – Mosambik 2019, oder manchmal kommt es anders als man denkt…

Hallo Conny,

da gebe ich Dir völlig Recht. Das ist Afrika und ich kenne das Spielchen mehr als nur gut. Ich bin auch nicht als blauäugiger Tourist dort hin und alles war schon im Vorfeld bestens organisiert und durchdacht. Ich hatte in Maputo meine vielen Freude und eine große Familie die mich bestens in den letzten Jahren unterstützt hat. Ich hatte gute Freunde sogar in der Behörde für Migration und in der Polizeibehörde. Eine Bürgschaft für mehr als ein halbes Jahr, und wäre ich nur ein halbes Jahr früher dort gewesen hätte "fast" alles geklappt.
Ich denke durch das neue Gesetz mit dem Umgang von Ausländern bin ich das erste Opfer gewesen.
Ich bin deshalb auch heute noch sauer auf den Herrn Präsidenten der durch solche Gesetze das zarte Pflänzchen Tourismus und Investition erfolgreich behindert hat. Warum könnte man fragen...der Zyklon "Idai" der Baira fast völlig zerstört hat, hat hier eine neue Geldquelle eröffnet und auf diese Art konnte man gleichzeitig das Einreisegesetz neu überarbeiten denn nicht jede NGO und andere Wirtschaftszweige sind in Mosambik wirklich willkommen. Aber das ist eine andere Geschichte. Natürlich war dann die Verabschiedung am Flugplatz noch mein persönliches Sahnehäubchen und hat alles abgerundet.

Fazit: ich bin zur falschen Zeit dort gewesen und habe einfach nur Pech gehabt. Ich habe dort schon fast zu intensiv gelebt und war ein Teil dieser Stadt, dieser Menschen.
Jeder der in diesen Ländern Urlaub machen möchte, den kann ich das nur raten. Es ist mehr als nur eine Reise wert und man lernt die Welt mit anderen Augen sehen.
Wer noch zögert sollte seine Zeit noch nutzen. Ich helfe gern mit Rat und Tat weiter...
Und schaut mal im Forum unter "Olli" nach...der Buschmann kann Euch eine unvergessliche Traumreise anbieten.

Viel Spaß und vielen Dank

Euer Frank

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