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Teil 10.1 – Mein neuer erster Tag in Oncocua
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23.03.14 16:22
Franke 

Administrator

23.03.14 16:22
Franke 

Administrator

Teil 10.1 – Mein neuer erster Tag in Oncocua

Ich bin schon am letzten Wochenende aus der Villa gezogen und in meine neue Lehmhütte eingezogen. Heute habe ich meine restlichen Sachen so gut es geht in den kleinen Raum verstaut und meine Petroleumlampe aufgestellt. Nascimento wollte morgen mir eine Stromleitung verlegen und anschließen.
Nicht alle Lehmhütten haben Strom, auch fließend Wasser oder eine Toilette gibt es in diesen Bairo nicht.
Das kleine Geschäft wird hinter der Hütte am Baum erledigt, der Rest in der Pampa. Das Wasser wird von einem Brunnen, der in der Nähe ist, in großen Plastikbehältern rangeschleppt. Ist aber mehr die Arbeit für Frauen. Holz für die Küche wird immer in kleinen Mengen daneben gelagert.

Diese Nacht habe ich wie ein Murmeltier geschlafen. Erst zum Morgen wurde ich durch das Klappern vom Blechdach und durch die Hähne im Ort geweckt. Es war etwas windig und mein erster Gedanke war das Blechdach mit größeren Steinen weiter zu fixieren. Aber das hat Zeit, mache ich nächste Woche. Hier ist die Zeit noch entschleunigt.
Es hat sich natürlich rumgesprochen, dass das Bairo einen neuen Nachbarn bekommen hat, es sind gute Menschen, die mich mit offenen Armen empfangen. Ich bin immerhin der erste meiner Art, der diesen Schritt gegangen ist. Eine meiner besten Entscheidungen, denn ich war bisher nur als Gast in Angola.
Mein direkter Nachbar ist unser Direktor, der mich von nun an jeden Morgen freundlich als erster begrüßt.
Ich mache mich auf den Weg zur Arbeit zu unserer Villa.
Ich komme dabei an viele Hütten vorbei, und alle begrüßen mich mit einem freundlichen
Bom Dia.
Sie lächeln mich an, als wenn es das normalste auf der Welt ist und ich schon immer hier gewohnt habe. Ein schönes Gefühl, ich bin in Angola angekommen, einer von ihnen.

Es ist kurz vor 7:30 Uhr und ich schließe die Villa auf. Alle anderen schlafen noch, es ist Sonnabend. Erst einmal nutze ich meinen kleinen Komfort und mache mich im Bad frisch.
Dann gehe ich auf Spur.
Zuerst geht es rüber zum Krankenhaus, und ich schalte die Solaranlage für das Krankenhaus und die Villa ab, unser Nachtstrom, den wir immer ab 22:00 Uhr anschalten. Der Generator vom Gouverno wird immer von 19:00 bis 22:00 Uhr betrieben. Es ist sehr schwer, den Diesel nach Oncocua zu transportieren, und oft wartet man in Cahama oder in der Hauptstadt einige Tage auf die neue Lieferung. Jeder Trofpen, der gespart wird, ist da wichtig.
Pünktlich um 19 Uhr werde ich dann alles wieder zurückschalten auf den Nachtbetrieb.
Weiter geht’s zur Werkstatt. Wir haben einen eigenen Generator, den ich in Betrieb nehme, damit wir das Krankenhaus mit Strom versorgen können.Die Werkstatt strahlt am Sonnabend eine besondere Ruhe aus. Das war nicht immer so, denn es wurde immer 6 Tage gearbeitet. Ich habe die 5-Tage-Woche eingeführt, und die ist sogar effektiver. In einer Reperaturwerkstatt steht auch unseren Angolanern dieses Recht zu!

In der Villa bereite ich danach das Frühstück vor, und mit Ulrike, unserer Krankenschwester, und Ullrich, den Arzt meines Vertauens, die gerade erst aus dem Urlaub gekommen sind, wird erst mal gefrühstückt.
Emilia, unsere Hausperle, kommt mit frischen Brötchen. Zu spät,wir haben die von gestern einfach aufgebacken. Ich spreche mit Emilia ab, was sie heute zum Mittag kocht. Zum Glück ist sie sehr einfallsreich, denn viel Auswahl haben wir nicht.

Danach schaue ich noch im Internat vorbei und unterhalte mich erst einmal mit unserem Koch Manuel über Gott und die Welt, aber ich glaube, es war mehr über unser Leben hier Oncocua.
Sonnabend? Da war doch was...
Ich gehe zu unserem kleinen Dorfplatz in meinem Bairo und da sitzen fast alle meine Jungs aus der Werkstatt und winken mir mit einem Bier zu, wo ich natürlich nicht nein sagen konnte.
Die meisten kommen nicht aus Oncocua und haben keine Familie hier. Da kann natürlich ein Wochenende etwas ruhiger werden, aber auch entspannend. In ihre eigenen Orte zu fahren ist kaum möglich. Zum einen gibt es nur selten Boleas, um den Ort zu verlassen, und die Rückfahrt stellt sich noch schwieriger dar.

Das Essen müsste fertig sein und ich gehe erst einmal rüber zur Villa. Es gibt Spaghetti mit Lombie, das Lieblingsessen von Ulrike. Wir haben erst einmal nett zusammengesessen und
uns unterhalten. Für das Sonntagessen hatte Ulrike eine tolle Idee – Lombie mit Spaghetti.
Ullrich versprach zum Frühstück Bruscetta zuzubereiten. Hört sich gut an.
Aber erst einmal war Mittagsschlaf angesagt.
Ich bin nach Hause gegangen und habe mich auch hingelegt...

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sieht aus wie Umzug.JPG sieht aus wie Umzug.JPG (558x)

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alles erst einmal verstauen.JPG alles erst einmal verstauen.JPG (541x)

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23.03.14 16:45
Franke 

Administrator

23.03.14 16:45
Franke 

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Re: Teil 10.2 – Mein neuer erster Tag in Oncocua

Nach gut 2 Stunden bin ich entspannt aufgewacht, trotz Mittagshitze ist es in einer Lehmhütte angenehm temperiert. Die Blechdächer liegen nicht vollständig auf und werden nur durch Steine auf dem Dach gehalten. Überall enstehen kleine Spalten, die wie eine Art Klimaanlage funktionieren. Die Adobesteine bringen aber den Effekt. Das Material kostet nichts und liegt förmlich auf der Straße. Es ist dieser rötliche feste Lehmboden. Der wird mit Wasser vermengt, kommt in eine Form und nach kurzer Zeit kann man die Form abheben und der nächste Adobeziegel wird gesetzt. Nach kurzer Zeit hat man eine größere Fläche, die aussieht wie in einer Ziegelei. Der Mörtel ist auch aus Adobe, natürlich der Putz auch.
Diese Adobeziegel lässt man dann gut eine Woche in der Sonne trocknen, die sozusagen den Brennofen übernimmt, das war’s. Fertig sind die festen Ziegel. Wenn man alle paar Jahre den
Putz außen ausbessert, halten diese Lehmhütten eine Ewigkeit.

Ich setze mich erst einmal zu meinem Freund Nascimento, der an der Ecke seines Hauses auf einer Matratze liegt und gerade erwacht ist. Aber erst füttere ich unser Huhn. Morgen ist Sonntag, und das heißt, zum Abend gibt es lecker Huhn. Das Huhn hat Christina vor ein paar Tagen eingetauscht. So ein Huhn wird erst einmal für 2 Tage mit einer kurzen Strippe am Fuß an einen Stuhl draußen angebunden und gefüttert. Am dritten Tag wird die Strippe gekappt und das Huhn läuft nicht mehr davon
Bella und Christina treffen auch wieder ein, sie waren auf Geschäftstour. Nascimento hat seinen Arbeitsplatz als Elektriker für Oncocua. Aber die meisten haben keine Arbeit. Deshalb baut man sich eine eigene kleine Infrastruktur auf. Der eine hat ein paar Ziegen, tauscht diese wiederum gegen Kleidung ein, diese wird wieder auf dem Markt verkauft und immer weiter...
Es funktioniert recht gut, Mann oder Frau kann überleben.

Langsam wird es Abend, und die ersten Nachbarn und Freunde setzen sich zu uns, das Leben spielt sich hier meist draußen ab.
Ich werde gefragt, ob ich morgen eine kleine Bolea mit ihnen machen könnte Richtung Rio Corocua ca. 40 Km von Oncocua enfernt. Sie wollen dort mit Bekannten Tauschgeschäfte machen. Für mich eine Gegend, die ich nicht kenne. Klaro, aber erst am Nachmittag, der Gottesdienst ist heilig. Nascimento sagt gleich Halleluja!
Unser Doktorchen besucht uns auch und bringt für uns beide als Einstand für den Umzug ein Bier mit.
Es ist ein entspannender Abend, die milden Temperaturen und vor allem die Entspanntheit
der Menschen hier in diesem Stück Afrika nehmen ein klein wenig Besitz von uns. So etwas erlebt man nur hier, in diesen kleinen Lehmhütten.
Vieles haben wir verlernt, hier können wir aber wieder lernen, wir selbst zu sein.
Wir verabschieden uns, und Doktorchen geht wieder Richtung Villa.
In einer halben Stunde geht das Licht aus, der Generator wird abgeschaltet.
Ich zünde meine Petroleumlampe an, und Nascimento sagt mir noch, dass er das verlegte Elektrokabel für unsere Casa am Montag anschließt. Ist O.K, hat ja noch etwas Zeit.
Boa Noite...

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Nascimento nach dem Mittagsschlaf.JPG Nascimento nach dem Mittagsschlaf.JPG (536x)

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Adobeziegel.JPG Adobeziegel.JPG (541x)

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mauern mit Adobeziegeln.JPG mauern mit Adobeziegeln.JPG (538x)

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Küchenvorbereitung für unser Hähnchen.JPG Küchenvorbereitung für unser Hähnchen.JPG (552x)

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ein Moshimba.JPG ein Moshimba.JPG (531x)

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Dokterchen kam zu Besuch.JPG Dokterchen kam zu Besuch.JPG (533x)

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am Abend vor unserer Casa.JPG am Abend vor unserer Casa.JPG (544x)

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Haare flechten für Monica.JPG Haare flechten für Monica.JPG (531x)

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